Wenn neue invasive Arten zu grossen Problemen führen
Zum Auftakt der jährlichen Generalversammlung des Natur- und Vogelschutzvereins Oberkulm luden die beiden Vize-Präsidentinnen Lilo Lochmann und Martina Müller zu einem informativen Vortrag über Neobiota ein.
Vor über 70 interessierten grossen und kleinen Zuhörerinnen und Zuhörern hielt Lisa Burger am vergangenen Freitag in der Aula Oberkulm einen aufschlussreichen Vortrag über invasive Neobiota im Aargau. Die Expertin der kantonalen Koordinationsstelle berichtete über die rasante Ausbreitung der gebietsfremden Pflanzen und Tiere, welche eine ernste Bedrohung für das ökologische Gleichgewicht darstellen. Ohne natürliche Feinde oder Krankheitserreger können sie sich ungehindert vermehren, was nicht nur die heimische Flora und Fauna gefährdet, sondern auch wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden verursacht.
Pflanzen ausser Kontrolle
Invasive Neophyten wie der Japanknöterich, das drüsige Springkraut oder der Riesenbärenklau verdrängen einheimische Pflanzenarten und verändern ganze Ökosysteme. Besonders problematisch ist, dass sich viele dieser Pflanzen durch Samen oder unterirdische Wurzelsysteme extrem schnell ausbreiten. Die Bekämpfung ist aufwendig und erfordert langfristige Maßnahmen, da eine dauerhafte Entfernung oft mehrere Jahre intensiver Nachkontrollen benötigt.
Tierische Eindringlinge auf dem Vormarsch
Auch invasive Tiere, sogenannte Neozoen, bereiten zunehmend Probleme. Waschbären, ursprünglich für die Pelzindustrie nach Europa gebracht, vermehren sich unkontrolliert und verdrängen einheimische Arten. Die asiatische Tigermücke, die potenziell Krankheitserreger übertragen kann, breitet sich aufgrund des Klimawandels zunehmend in der Schweiz aus. Ebenfalls besorgniserregend ist die asiatische Hornisse, die vor allem Wild- und Honigbienen bedroht und sich durch ihre versteckten Neststandorte nur schwer bekämpfen lässt.
Erfolgreiche Massnahmen in Oberkulm
Die Koordinationsstelle Neobiota Liebegg und lokale Behörden setzen auf gezielte Massnahmen zur Eindämmung. Dazu gehören Prävention, Früherkennung und koordinierte Bekämpfung. Seit September 2024 gilt in der Schweiz ein Inverkehrbringungsverbot für bestimmte invasive Pflanzen wie den Sommerflieder oder den Kirschlorbeer.
Ein positives Beispiel für erfolgreiche Bekämpfung liefert die Gemeinde Oberkulm. Hier werden bereits seit 2006 vorbildliche Massnahmen umgesetzt. Dank Urs Wunderlin, der lokalen Neophyten-Ansprechperson und der Unterstützung des Gemeinderats sowie der Zusammenarbeit mit Bauamt und Forst konnte die Verbreitung invasiver Pflanzen in der Region bereits erfolgreich eingedämmt werden. Dies ist nur möglich nur regelmässige Kontrollen, das sofortige Entfernen problematischer Pflanzen und eine sorgfältige Kartierung.
Die Bevölkerung kann aktiv mithelfen, indem sie Neophyten aus ihren Gärtnen entfernt, damit sich diese nicht unkontrolliert in die Nachbarschaft und in natürliche Lebensräume ausbreiten. Hierfür können kostenlose «Neophyten-Säcke» bei der Sammelstelle im Werkhof Oberkulm bezogen werden. Auch besteht die Möglichkeit Neophyten in normalen Kehrichtsäcken dort abzugeben. Zudem wird dazu aufgerufen, verdächtige Funde von Tigermücken oder asiatischen Hornissen zu melden.
Die Bekämpfung invasiver Arten bleibt eine langfristige Herausforderung. Doch mit gemeinsamer Anstrengung und wachsendem Bewusstsein lässt sich ihre weitere Ausbreitung eindämmen. Weitere Informationen und Meldeplattformen sind auf der Webseite des Vereins zu finden: https://www.ag.ch/de/themen/neobiota
Im Anschluss an den Vortrag fand die Generalversammlung statt. Das Protokoll kann über den Link unten heruntergeladen werden.
