Trotz Gewitters und Starkregen nahmen doch einige TeilnehmerInnen den Weg zur Sägerei am Oberkulmer Obersteg auf sich, um mehr über das Leben in und um die Wyna zu erfahren.
Dank eines rasch aufgebauten Zeltes konnte der Wyna-Pächter und passionierte Fliegenfischer Stefan Baur aus Safenwil anschaulich anhand zahlreicher Modellbauten über die Wichtigkeit des Schutzes der Kleinstlebewesen im Bach referieren.
Stefan Baur hat patentierte Futterkörbe für Fliessgewässer entwickelt, deren Funktion und Nutzen er bildhaft erläuterte: Durch menschgemachte Umweltverschmutzung hat sich die Selbstreinigungskraft der Bäche und kleineren Flüsse reduziert. Werden die Feinsedimente in einem Fliessgewässer nicht regelmässig fortgespült, setzen sie sich in der Bachsohle fest und verhärten den Gewässergrund. So verlieren die Kleinstlebewesen wie Bachflohkrebs, Köcherfliege oder Steinfliege (im Fachjargon Makrozoobentos genannt) ihren Lebensraum. Damit fehlt es auch den Fischen an Nahrungsgrundlage.
Mit Hilfe von in Fliessgewässern verankerten und mit Laub und Stroh gefüllten Futterkörben aus Stahl bietet Baur den Kleinstlebewesen Futter und Lebensraum. Wichtig sei eine ausreichende Wassertiefe, damit der Korb ganzjährig vollständig unter Wasser sei. Im Innenraum dieser finden sich auch Jungfische ein, so finde man so finde man Jungforellen, Groppen und andere kleinere Fische, aber auch Libellenlarven und räuberische Köcherfliegenlarven direkt in den Futterkörben.
Die Wyna in Oberkulm sei glücklicherweise noch nicht vom Verhärtungsvorgang des Gewässergrundes (im Fachjargon Kolmatierung genannt) betroffen.
Während einer Regenpause konnten die ExkursionsteilnehmerInnen dann immerhin einen kurzen Einblick in die Ufervegetation gewinnen. Trotz des hohen Wasserpegels zeugten Nagespuren und tiefe Löcher am Uferrand von der Anwesenheit des grössten europäischen Nagetiers: Biber sind perfekt an ihren Lebensraum angepasst. Als Spitzentaucher, Bauherr, Landschaftsarchitekt und Holzfäller in einem ist der nachtaktive Biber das einzige Tier, das seinen Lebensraum aktiv gestaltet.
Einmal im Jahr zwischen Mai und Juni und nach 105 bis 107 Tagen bringe das Weibchen 1-4 Junge zur Welt. Die Jungen wiegen 500 bis 700 Gramm. Die Jungen bleiben zwei Jahre in der Familie und werden stark umsorgt. Die Jungen bleiben die ersten paar Wochen noch im Bau. Sie können in den ersten Wochen noch nicht tauchen, da das Fell für mehr Auftrieb sorgt als ihr eigenes Gewicht. Durch den hohen Wasserpegel und die starke Strömung seien momentan die jungen Biber in Gefahr: Es komme immer wieder zu Todesfällen bei Hochwasser, wenn die Eltern die Jungen nicht rechtzeitig aus dem Bau evakuieren können.
Eines der in Oberkulm ansässigen Biberweibchen mir ihrem Jungtier konnten die ExkursionsteilnehmerInnen schliesslich noch als Videoaufzeichnung bestaunen.
Beim abschliessenden Apèro mit feinem Kuchen ergaben sich zahlreiche interessante Gespräche und Stefan Baur stand für Fragen zur Verfügung.
